Zwei Weihnachtsgeschichten

Kategorie: Besinnliche Weihnachtsgeschichten

Zwei Weihnachtsgeschichten
Nun kam es immer, immer näher, das Weihnachtsfest. Auch im Dorfe unten fing man an, sich schon dafür zu rüsten. Kinder kamen mit Körbchen herauf in den Wald und holten Tannenzweige. "Zum Schmücken", sagte die Muhme Tanne. "Damit schmücken sie die Stuben aus."
Aus dem Schornstein des Bäckerhauses stieg den ganzen Tag ein dicker schwarzer Rauch auf, ein Zeichen, dass da mächtig gebacken wurde. Das Rotkehlchen und Frau Tannenmeise konnten denn auch gar nicht genug erzählen von den herrlichen braunen, süßduftenden Kuchen, die durch die Dorfstraßen getragen wurden.
"Hoffentlich wird man nicht vergessen, uns dazu einzuladen", meinte Frau Tannenmeise.
Auch dem roten Postauto unten auf der Landstraße konnte man es anmerken, dass irgendwas besonderes los war. Gewöhnlich barg es die Pakete in seinem Inneren; jetzt aber war das ganze Postwagendach damit vollbeladen, und sogar der Fahrer vorn am Steuer hatte noch welche neben sich.
Was mag da alles darin sein! Dachten die Tannenkinder. Und ein kleines Dummerchen fragte: "Wann kommt denn endlich das Paket für uns?"
Ui je! Wie wurde es da ausgelacht, das Kleine.
"Als ob Tannenkinder Pakete bekämen!"
"Warum den nicht?" fragte das Tännchen. Und es dachte: Wenn wir Tannenbäume doch zu Weihnachten solche Hauptpersonen sind - warum sollen wir hier oben denn gar nichts von der Weihnachtsfreude abkriegen?
"Nun - wir wollen es abwarten", sagte die Muhme Tanne. "Vielleicht werdet ihr doch euer Teilchen Freude mitbekommen."

Nun war der heilige Abend da.
Freilich - hier oben im Tannenwalde merkte man nichts von all dem Lichterglanz, der heute die Welt erfüllte.
Dunkel und still wie an jedem anderen Abend war`s in des Tannenwalds Kinderstube auch heut! Nur im Dorfe unten sah man mehr helle Fensterlein als sonst, und die Tannenkinder wussten, das viele Licht kam von all den Christbäumen, die hinter diesen Fenstern brannten.
Was wohl ihre Schwesterlein und Brüderlein jetzt machten? Wie gerne hätten sie sie mal gesehen in ihrem Kettenschmuck, mit ihren goldenen Haaren und den Lichtchen.
Ob die kleinen Sterne, die heute wieder da oben am Himmel standen, die Schwesterchen und Brüderchen wohl jetzt sehen konnten?
"Sicher", meinte die Muhme. Und dann meinte sie noch: "Den Sternlein wird es wohl heut Abend so ähnlich gehen wie euch. Manches von ihnen möchte auch wohl gerne seinen Platz vertauschen und heut lieber mal ein Stern auf einem Weihnachtsbaume sein."
"Hm!" machten die Tannenbäumchen; und dann kamen sie sich samt den Sternlein doch eigentlich recht bemitleidenswert vor in ihrer Einsamkeit hier, so im Dunkeln. - -
Nun stand da im Walde - gar nicht weit von der kleinen Gesellschaft - ein ganz alter, morscher Tannenbaum mit einem langen grauen Flechtenbart.
"Großvater" nannten ihn die Tannenkinder und hatten schon immer eine ganz besondere Freundschaft mit ihm gehabt. Grüße und Kusshändchen winkten sie ihm zu, und gar zu gerne hätten sie ihn auch mal an seinem schönen grauen Bart gezupft.
Na - dem Tannengroßvater, dem tat es sehr leid, dass die kleinen Tannenkinder heut am Heiligabend so still und so traurig waren. Ich werde ihnen eine Geschichte erzählen, dachte er. Eine Geschichte, die ihnen Freude machen wird.
Und also gleich begann er:
"Ihr klaget, meine lieben Tannenkinderlein, dass es abends jetzt immer so dunkel um euch ist. Dass die Sonne so spät aufsteht und so zeitig schlafen geht und dass euch niemand Licht bringt in die dunkle Kinderstube.
Solange es Winter ist, muss ich schon diese Klagen von euch hören. Nun, höret: So wie euch, so ist`s vor vielen, vielen tausend Jahren auch einmal den Menschen ergangen. Damals, wisset - zu der Zeit, von der ich euch erzählen will - da war das alles noch ganz, ganz anders als jetzt. Da gab`s noch keine großen Städte und Häuser, da wohnten die Menschen noch auf freiem Felde, in niedrigen Hütten und Zelten. Und in den Hütten, wisst ihr - da brannte noch kein Gas und kein elektrisches Licht. Nein, die Menschen, die zu der Zeit lebten, die hatten fast kein anderes Licht als die Sonne.
Wenn nun der Winter kam und die Sonne immer früher schlafen ging und immer später aufstand, dann klagten die Menschen, gerade wie ihr, über die viele, viele Dunkelheit. Sie konnten es ja wohl verstehen, dass Frau

Sonne nach all der vielen Arbeit im Sommer, nach dem Immerfrühaufstehen und Spätzubettgehen nun den Winter dazu benutzen wollte, sich erst einmal tüchtig auszuschlafen. Aber sie hofften doch recht sehr, dass das Ausschlafen nicht gar zu lange dauern werde; denn die Dunkelheit war doch zu schrecklich.
Und endlich war die Zeit gekommen, als Frau Sonne sich in ihrem weißen Wolkenbett umwendete, sich die Augen rieb und lächelnd sagte: "So, ihr lieben Menschenkinder, nun bin ich nicht mehr ganz so müde, nun kann ich wieder alle Tage ein bisschen früher aufstehen und ein bisschen später schlafen gehen, - freut euch nun wird`s allmählich wieder heller werden auf der Erde."
Da hättet ihr die Menschen aber mal sehen sollen; sie wussten sich vor Freude nicht zu lassen. Ihre Hütten schmückten sie mit grünen Zweigen aus, steckten Freudenfeuer an und kochten und brieten, sangen frohe Lieder und feierten ein großes Fest. Das Fest, das nannten sie das Fest der Wintersonnenwende. - - -

"Doch! Doch! - Ja, ja!" nickten die Bäumchen. Sie waren noch ganz erfüllt davon. Und etliche, die seufzten ganz leise.
"Passt auf - nun kommt aber noch das Schönste!" sagte Tannengroßvater. "Frau Sonne machte es nun alle Jahre so. Alle, alle Jahre - bis heute noch. Die erste Zeit im Winter, da schläft sie; schläft sich aus. Deswegen habt ihr sie jetzt auch so wenig gesehen.
Nun aber - nun ist wieder die Zeit, da Frau Sonne sich in ihrem weißen Wolkenbette umwendet und verspricht, wieder früher aufzustehen und länger aufzubleiben. Nun ist die längste Winternacht vorbei, und das Licht wird wieder auf die Erde kommen."
"Gr - Großvater - - woher weißt du das?"
"Großvater - da müssen wir ja ein Fest feiern!"
"Wir feiern ja eins", sagte der Tannengroßvater. "Weihnachten - so nennt man es heute. Es ist dasselbe wie das frühere Wintersonnenwendefest."
"So? Soo? Aach - so?"
Es war ein großes Staunen in der Kinderstube. Ein Staunen und eine Freude. Und gerade in diesem Augenblick klang unten vom Dorfe herauf das Läuten der Glocken. So schön, so feierlich. "Die Weihnachtsglocken", sagte die Tannenmuhme; "hm, hm", und sie räusperte sich ein bisschen dabei.
"Sie läuten vor Freude, weil das Licht nun wieder in die Welt kommen wird; Tannenmuhme - nicht wahr?"
"Hm! Hm!" Die Muhme räusperte sich noch mal, ein bisschen stärker. "Ja", sagte sie dann. "Aber sie meinen noch ein anderes Licht."
"Noch - ein - anderes Licht?"
"Ja. - Hmm! Hmm!" Und zum drittenmal räusperte sich die alte Tannenmuhme, sah nach dem Großvater hinüber und schüttelte den Kopf.
"Der Großvater - hm!" Der Großvater ist ein alter Heide - hatte sie sagen wollen. Aber sie verschluckte es und sagte: "Der Großvater weiß nur diese eine Weihnachtsgeschichte. Ich aber weiß noch eine."
Und nun erzählte sie den Tannenkindern die Geschichte, die ihr sicher alle kennt: Die Geschichte von dem kleinen Jesukind. Wie es in dunkler Winternacht im Stall zu Bethlehem geboren ward - wie`s da auf einmal ganz hell wurde im Stall und um den Stall herum und auf dem Felde. Wie die Hirten, die da draußen ihre Schafe weideten, sich fürchteten vor diesem Licht, bis dann der Engel kam und ihnen sagte, dass sie sich nicht zu fürchten brauchten. "Denn" - sagte der Engel, - "das Kindlein, das dort im Stall in der Krippe liegt - das ist von ganz besonders feiner, lieber Art und wird den Menschen sehr viel Licht und sehr viel Freude bringen."
Nun - wie gesagt - ihr kennt ja die Geschichte. Die kleinen Tannenkinder aber hatten sie noch nie gehört; sie gefiel ihnen ebenso gut wie die Geschichte des Tannengroßvaters.
"Und zur Erinnerung, seht ihr" - schloss die Muhme - "zur Erinnerung an all das Licht und all die Freude, die das Jesus - Christkindlein in die Welt gebracht - brennen jedes Jahr zu Weihnachten, an seinem Geburtstag, all die vielen tausend hellen Lichtern auf den Christbäumen."
Die Glocken unten im Dorfe schwiegen. Die Tannenbäumchen schwiegen auch. Keins von ihnen aber klagte mehr, dass es so dunkel und so traurig sei hier oben. Denn auch in ihren kleinen Herzen war nun die Freude eingezogen - - die Weihnachtsfreude und das Weihnachtslicht.

Autor: Sophie Reinheimer

Ausführliche Interpretation der Geschichte

Sophie Reinheimer erzählt in "Zwei Weihnachtsgeschichten" eine tiefgründige Parabel über Perspektiven und die Suche nach Sinn. Die Geschichte spielt in der "Kinderstube" des Tannenwaldes, wo die jungen Bäume die Vorbereitungen der Menschen auf Weihnachten beobachten. Sie fühlen sich ausgeschlossen von der Festfreude, obwohl sie wissen, dass ihre Artgenossen als geschmückte Christbäume im Mittelpunkt stehen. Diese Beobachtungsperspektive ist genial gewählt, denn sie erlaubt es, die menschlichen Weihnachtsbräuche aus einer naiven, fragenden Außensicht zu betrachten. Die zentrale Frage des kleinen "Dummerchens" – "Wann kommt denn endlich das Paket für uns?" – enthüllt den kindlichen Wunsch nach Teilhabe und Gerechtigkeit.

Die Erzählung löst dieses Gefühl der Benachteiligung nicht durch ein materielles Geschenk, sondern durch zwei unterschiedliche, sich ergänzende Erklärungen des Weihnachtsfests. Der "alte Heide", der Tannengroßvater, erklärt das Fest als uraltes Naturphänomen: die Wintersonnenwende. Sein Bericht vom Wiedererwachen der Sonne und den Freudenfeuern der Menschen verbindet Weihnachten mit einem universellen, vorchristlichen Bedürfnis nach Licht in der dunkelsten Zeit. Die Muhme Tanne ergänzt daraufhin die christliche Geschichte von der Geburt Jesu als einem geistigen Licht. Die Erzählung zeigt damit, dass das Weihnachtsfest mehrere Bedeutungsschichten hat. Die wahre "Weihnachtsfreude" für die Tannenkinder entsteht nicht durch ein Paket, sondern durch dieses Verständnis und das Gefühl, Teil eines größeren, lichtvollen Ganzen zu sein. Die Geschichte feiert somit die Kraft des Erzählens und der Weisheit, die Einsamkeit und Dunkelheit erhellen kann.

Biografischer Kontext der Autorin

Sophie Reinheimer (1874-1935) war eine deutsche Schriftstellerin, die vor allem durch ihre Kinder- und Jugendbücher sowie ihre Naturmärchen bekannt wurde. Ihre Werke sind der Heimat- und Naturdichtung zuzuordnen, einer Strömung, die um die Jahrhundertwende und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts beliebt war. In dieser Tradition steht auch "Zwei Weihnachtsgeschichten". Reinheimer verstand es meisterhaft, der Natur eine Stimme zu geben und Tiere sowie Pflanzen als fühlende, denkende Charaktere auftreten zu lassen. Dieses Stilmittel, die Anthropomorphisierung, nutzt sie hier, um philosophische Fragen kindgerecht zu verpacken.

Ihr Werk ist geprägt von einem pädagogischen Impetus, der jedoch nicht belehrend, sondern einfühlsam und märchenhaft daherkommt. Die Verbindung von naturkundlichem Wissen (wie dem Phänomen der Sonnenwende) mit christlicher Tradition und menschlicher Gemütsbildung ist typisch für ihre Erzählweise. In einer Zeit zunehmender Verstädterung hielt sie die Verbindung zur Natur und zu einfachen, moralischen Werten in ihren Geschichten lebendig. Diese Erzählung ist ein perfektes Beispiel dafür, wie sie komplexe kulturelle und natürliche Zusammenhänge für junge Leser erfahrbar macht.

Welche Stimmung erzeugt die Geschichte?

Die Geschichte erzeugt eine sehr vielschichtige und warme Stimmung. Sie beginnt mit einer leisen, sehnsuchtsvollen Melancholie. Die Dunkelheit des winterlichen Waldes, das Gefühl des Vergessenwerdens und die neidvolle Beobachtung des festlichen Treibens im Dorf wecken beim Leser ein direktes Mitgefühl für die kleinen Tannen. Diese anfängliche Traurigkeit wandelt sich jedoch langsam in staunende Neugier und schließlich in eine stille, tiefe Freude.

Durch die beiden erzählten Geschichten – die des Großvaters und die der Muhme – breitet sich eine Atmosphäre der Weisheit und des Trostes aus. Die Stimmung wird feierlich und friedvoll, fast andächtig. Das Läuten der Weihnachtsglocken untermalt diesen Stimmungswechsel akustisch in der Vorstellung des Lesers. Am Ende herrscht eine innere, leuchtende Zufriedenheit vor. Die Geschichte vermittelt das beruhigende Gefühl, dass man selbst in scheinbarer Dunkelheit und Einsamkeit Teil eines sinnvollen, von Licht und Traditionen geprägten Kosmos ist.

Ist die Geschichte zeitgemäß?

Absolut. Die Kernfragen der Geschichte sind heute genauso relevant wie vor 100 Jahren. Das Gefühl, in einer hektischen, festlichen Vorweihnachtszeit selbst leer oder ausgeschlossen zu sein, kennen viele Menschen. Die Suche nach der eigentlichen Bedeutung hinter dem kommerziellen Trubel des Festes ist ein zeitloses Thema. Reinheimers Geschichte bietet hier eine wunderbare Alternative: Sie lenkt den Blick weg vom Konsum (symbolisiert durch die ersehnten "Pakete") hin zur Besinnung auf natürliche Rhythmen und geistige Werte.

Modern lassen sich auch Parallelen zum Thema "Achtsamkeit" und "Perspektivwechsel" ziehen. Die Tannenkinder lehren uns, die Welt einmal mit anderen Augen zu sehen. In einer Zeit der Polarisierung ist die Botschaft der zwei sich ergänzenden Weihnachtsgeschichten – die naturbezogene und die christliche – zudem hochaktuell. Sie zeigt, dass unterschiedliche Traditionen und Erklärungen nicht im Widerspruch stehen müssen, sondern gemeinsam zu einem reicheren Verständnis und einem größeren Gefühl der Freude beitragen können. Die Geschichte wirft die Frage auf, wo wir unser persönliches "Weihnachtslicht" finden, wenn die äußere Welt dunkel erscheint.

Wie ist der Schwierigkeitsgrad zu bewerten?

Sprachlich ist die Geschichte im Bereich leicht bis mittelschwer einzuordnen. Der Satzbau ist überwiegend klar und parataktisch, also aneinandergereiht. Reinheimer verwendet eine bildhafte, märchenhafte Sprache ("Muhme Tanne", "Tannenkinderlein", "weißes Wolkenbett"), die für Kinder sehr ansprechend ist. Einige Begriffe wie "Wintersonnenwende" oder "Heide" mögen erklärungsbedürftig sein, fügen sich aber gut in den Erzählfluss ein und bieten eine natürliche Gelegenheit zum Gespräch.

Die eigentliche "Schwierigkeit" oder besser gesagt die Tiefe liegt im inhaltlichen Konzept. Das Verständnis, dass eine Feier zwei verschiedene Ursprünge und Bedeutungen haben kann, die beide wahr und wichtig sind, erfordert ein gewisses Abstraktionsvermögen. Daher ist die Geschichte sprachlich für jüngere Kinder gut zugänglich, während ihre philosophische Botschaft auch älteren Kindern und Erwachsenen etwas zu bieten hat.

Für welchen Anlass eignet sich die Geschichte?

Diese Geschichte ist ein perfekter Begleiter für die stille Zeit im Advent, besonders für den Heiligen Abend selbst. Sie eignet sich hervorragend für das gemütliche Vorlesen am Nachmittag oder am frühen Abend, wenn es draußen dunkel wird. Durch ihre besinnliche und erklärende Art kann sie helfen, Ruhe in die oft aufgeregte Vorfreude von Kindern zu bringen.

Ideal ist sie auch für den Einsatz in Kindergärten, Grundschulen oder Kinderkirchgruppen in der Vorweihnachtszeit. Sie bietet einen ausgezeichneten Einstieg, um mit Kindern über die verschiedenen Aspekte von Weihnachten zu sprechen: die Natur (kurze Tage, längere Nächte, Tannenbäume), die Bräuche (Schmücken, Backen) und die religiöse sowie kulturelle Bedeutung. Sie ist mehr als nur eine Unterhaltung; sie ist ein Gesprächsanstoß.

Für welche Altersgruppe eignet sich die Geschichte?

Die Geschichte eignet sich primär für Kinder im Alter von etwa 5 bis 10 Jahren. Jüngeren Kindern ab 5 Jahren gefällt die personifizierte Welt der sprechenden Bäume und Tiere. Sie können der Handlung gut folgen und mit den Tannenkindern mitfühlen. Älteren Kindern bis 10 Jahren erschließt sich zusätzlich die Doppelbotschaft der beiden Weihnachtsgeschichten. Sie beginnen, die metaphorische Ebene zu verstehen und können über die unterschiedlichen Erklärungen für das Lichterfest diskutieren.

Dank ihrer literarischen Qualität und ihrer ruhigen, reflektierenden Art ist die Erzählung aber auch ein schönes Leseerlebnis für Erwachsene, die sie ihren Kindern vorlesen oder die selbst nach einer kurzen, besinnlichen Weihnachtslektüre suchen. Sie spricht also die ganze Familie an.

Für wen eignet sich die Geschichte weniger?

Die Geschichte eignet sich weniger für Leser oder Zuhörer, die eine actionreiche, spannende oder humorvolle Weihnachtsgeschichte erwarten. Sie kommt ohne Wichtel, den Weihnachtsmann oder dramatische Ereignisse aus. Ihr Tempo ist bedächtig, und ihr Fokus liegt auf der inneren Einkehr und dem philosophischen Dialog.

Für sehr junge Kinder unter 4 Jahren ist die Handlung möglicherweise zu wenig konkret und die Erzähltexte der Großvater- und Muhmen-Geschichte sind zu lang, um die Aufmerksamkeit dauerhaft zu halten. Ebenso könnte sie für Kinder (oder Erwachsene), die eine ausschließlich dogmatisch-christliche Weihnachtserzählung suchen, irritierend sein, da sie die heidnischen Wurzeln des Festes gleichberechtigt danebenstellt. Wer eine rein unterhaltende, kurze Gutenachtgeschichte sucht, könnte mit der dichten und doppelschichtigen Erzählung überfordert sein.

Mehr Besinnliche Weihnachtsgeschichten