Weihnachts-Marketing oder Weihnachten kommt immer so plötzlich!

Kategorie: Lustige Weihnachtsgeschichten

Weihnachts-Marketing oder Weihnachten kommt immer so plötzlich!
Wie Weihnachten 2009 im Internet gezeigt hat, heißt das Weihnachten 2010 nicht mehr Weihnachten, sondern X-mas, also muss der Weihnachtsmann auch X-man sein!

Da X-mas 2010 quasi schon vor der Tür steht, war es spätestens ab März höchste Zeit, mit der Weihnachtsvorbereitung zu beginnen – Verzeihung: das diesjährige Weihnachts-Roll-Out zu starten und die Christmas-Mailing-Aktion just in Time vorzubereiten. Hinweis: Die Kick-Off-Veranstaltung (früher 1. Advent) für die diesjährige SANCROS (Santa Claus Road Show) findet bereits am 02. Dezember statt. Daher wurde das offizielle Come-Together des Organizing Committees unter Vorsitz des CIO (Christmas Illumination Officer) schon am 6. Januar 2010 abgehalten.

Erstmals haben wir ein Projektstaus-Meeting vorgeschaltet, bei dem eine in Workshops entwickelte "To-Do-Liste" und einheitliche Job Descriptions erstellt wurden. Dadurch sollen klare Verantwortungsbereiche, eine powervolle Performance des Kundenevents und optimierte Geschenk-Allokation geschaffen werden, was wiederum den Service Level erhöht und außerdem hilft, "X-mas" als Brandname global zu implementieren. Dieses Meeting diente zugleich dazu, mit dem Co-Head Global Christmas Markets (Knecht Ruprecht) die Ablauf-Organisation abzustimmen, die Geschenk-Distribution an die zuständigen Private-Schenking-Centers sicherzustellen und die Zielgruppen klar zu definieren. Erstmals sollen auch so genannte Geschenk-Units über das Internet angeboten werden.

Die Service-Provider (Engel, Elfen und Rentiere) wurden bereits via Conference

Call virtuell informiert und die Core-Competences vergeben. Ein Bündel von Incentives und ein separater Team-Building-Event an geeigneter Location sollen den Motivationslevel erhöhen und gleichzeitig helfen, eine einheitliche Corporate Culture samt Identity zu entwickeln. Der Vorschlag, jedem Engel einen Coach zur Seite zu stellen, wurde aus Budgetgründen zunächst gecancelt. Stattdessen wurde auf einer zusätzlichen Client Management Conference beschlossen, in einem Testbezirk als Pilotprojekt eine Hotline (0,35 Ct/Minute) für kurzfristige Weihnachtswünsche einzurichten, um den Added Value für die Beschenkten zu erhöhen. Durch ein ausgeklügeltes Management Information System (MISt) ist auch Benchmark-orientiertes Controlling für jedes Private-Schenking-Center möglich. Nachdem ein neues Literatur-Konzept und das Layout-Format von externen Consultants definiert wurde, konnte auch schon das diesjährige Goldene Buch (Golden Book Release 00.1) erstellt werden. Es erscheint als Flyer, ergänzt um ein Leaflet und einen Newsletter für das laufende Updating. Hochauflagige Low-cost-Giveaways dienen zudem als Teaser und flankierende Marketingmaßnahme. Ferner wurde durch intensives Brainstorming ein Konsens über das Mission Statement gefunden. Es lautet: "Lets Keep the Candles Burning" und ersetzt das bisherige "Frohe Weihnachten". Santa Claus hatte zwar anfangs Bedenken angesichts des Corporate-Redesigns, akzeptierte aber letztlich den progressiven Consulting-Ansatz und würdigte das Know-how seiner Investor-Relations-Manager.

In diesem Sinne noch erfolgreiche X-mas Preparation für das neue Jahr.

Autor: unbekannt

Ausführliche Interpretation der Geschichte

Diese satirische Erzählung ist weit mehr als eine lustige Weihnachtsgeschichte. Sie stellt eine scharfe und durchdachte Kritik an der zunehmenden Kommerzialisierung und Bürokratisierung traditioneller Feste dar. Der Autor überträgt die Sprache und Denkweise der modernen Geschäftswelt, des Projektmanagements und des Marketings konsequent auf die Vorbereitung des Weihnachtsfestes. Dadurch wird das Wunder der Weihnacht in einen absurden Business-Case verwandelt. Aus dem Weihnachtsmann wird der "X-man", aus dem ersten Advent eine "Kick-Off-Veranstaltung" und aus der Bescherung eine "optimierte Geschenk-Allokation". Diese bewusste Übertreibung enthüllt, wie sehr ökonomische Logiken und Management-Jargon in alle Lebensbereiche eingedrungen sind, sogar in jene, die eigentlich von Gemütlichkeit, Tradition und menschlicher Zuwendung geprägt sein sollten. Die Geschichte hinterfragt, ob durch diese "Professionalisierung" der wahre Kern und die emotionale Bedeutung des Festes verloren gehen, während gleichzeitig nur die Oberfläche – hier als "Brandname X-mas" – optimiert wird.

Welche Stimmung erzeugt die Geschichte?

Die Erzählung erzeugt eine ambivalente, aber pointierte Stimmung. Primär löst sie durch ihre übertriebenen und absurden Vergleiche Belustigung und Schmunzeln aus. Gleichzeitig schwingt unter der humorvollen Oberfläche eine deutliche Note der Ironie und der kritischen Distanz mit. Du spürst beim Lesen eine leichte Verfremdung, fast schon Unbehagen, wenn dir vor Augen geführt wird, wie kalt und effizienzgetrieben die Vorbereitung auf das Fest der Liebe dargestellt wird. Es ist eine satirische Stimmung, die zum Nachdenken anregt, während sie unterhält. Sie ist nicht herzlich oder besinnlich, sondern clever und hintergründig.

Ist die Geschichte zeitgemäß?

Die Geschichte ist heute vielleicht sogar relevanter als zu ihrer Entstehung um 2009/2010. Die von ihr karikierte Vermischung von Privatem und Geschäftlichem, die Omnipräsenz von Projektmanagement-Methoden und die ständige Optimierung aller Prozesse hat mit der Digitalisierung und der "Always-On"-Mentalität weiter zugenommen. Parallelen findest du zum heutigen "Hype" um jedes Fest, der monatelange Vorlaufzeit in den Marketingabteilungen der Einzelhändler erfordert. Die Frage, ob Traditionen und zwischenmenschliche Werte unter der Herrschaft von Effizienzdenken und Globalisierung leiden, ist brandaktuell. Die Geschichte wirft damit implizit Fragen auf, die heute noch brisant sind: Wo bleibt der Mensch in all den Prozessen? Was bleibt von der ursprünglichen Bedeutung eines Festes, wenn es zur Marketingkampagne wird?

Wie ist der Schwierigkeitsgrad zu bewerten?

Sprachlich ist der Text als anspruchsvoll einzustufen. Das liegt nicht an komplexen Satzkonstruktionen, sondern am spezifischen Vokabular. Der Autor verwendet durchgängig und in dichter Folge Fachbegriffe aus den Bereichen Wirtschaft, Marketing und Unternehmensführung (z.B. "Roll-Out", "Benchmark-orientiertes Controlling", "Corporate-Redesign", "Investor-Relations-Manager"). Um den satirischen Witz vollständig zu erfassen und die Kritik zu verstehen, benötigst du ein gewisses Verständnis für diese moderne Business-Sprache. Ohne dieses Wissen wirken viele Stellen einfach nur wie ein sinnfreier Anglizismen-Salat. Mit dem entsprechenden Hintergrundwissen entfaltet die Geschichte ihre volle satirische Schärfe.

Für welchen Anlass eignet sich die Geschichte?

Diese Erzählung eignet sich perfekt für unkonventionelle Weihnachtsfeiern im beruflichen Umfeld, etwa in Büros, Abteilungen oder bei Firmenevents, wo die Zuhörer den parodierten Jargon aus ihrem Alltag kennen. Sie ist ein idealer humorvoller Beitrag für einen geselligen Abend unter Erwachsenen, die über die Absurditäten des modernen (Arbeits-)Lebens lachen können. Zudem passt sie gut in eine Sammlung satirischer oder gesellschaftskritischer Texte zur Weihnachtszeit, die das Fest jenseits von Klischees betrachten. Sie ist weniger geeignet für eine traditionelle, besinnliche Familienfeier am Heiligabend.

Für welche Altersgruppe eignet sich die Geschichte?

Die Zielgruppe sind eindeutig Erwachsene, insbesondere junge und mittelalte Berufstätige, die in ihrem Arbeitsumfeld regelmäßig mit den karikierten Begriffen und Prozessen wie Projektmeetings, Kick-Offs und Controlling in Berührung kommen. Ein Mindestalter von etwa 20 Jahren ist sinnvoll, da erst dann in der Regel ausreichend Lebens- und Berufserfahrung vorhanden ist, um die satirischen Elemente wirklich zu würdigen und die Tiefe der Kritik zu erfassen. Für Jugendliche ohne Berufserfahrung sind viele Anspielungen wahrscheinlich nicht verständlich.

Für wen eignet sich die Geschichte weniger?

Die Geschichte ist weniger passend für Kinder und jüngere Jugendliche, da ihnen der Kontext und der Witz der Business-Begriffe völlig fremd sind. Sie eignet sich auch nicht für Leser oder Zuhörer, die eine herkömmliche, gefühlvolle oder religiöse Weihnachtserzählung erwarten und suchen. Menschen, die mit Management-Jargon nichts anfangen können oder ihn nicht kritisch sehen, werden den pointierten Humor möglicherweise nicht entschlüsseln und die Geschichte als verwirrend oder unsinnig empfinden. Wer sich an Weihnachten ausschließlich nach unkritischer Gemütlichkeit und traditionellen Werten sehnt, könnte von der satirischen und leicht zynischen Grundhaltung des Textes sogar befremdet sein.

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